Liquid Democracy: „Operation gelungen, Patient tot?“

Politics & Society
re:publica 2016

Kurzthese: 

Anfangs als Allheilmittel gegen Politikverdrossenheit gehandelt und später als Tyrannei der Masse verteufelt, steht das Konzept Liquid Democracy prototypisch für viele Entwicklungen, die die letzten zehn Jahre Internet geprägt haben. Die Utopie einer digitalen Beteiligungsdemokratie durchläuft die Fennsche Hype-Kurve. Zehn Jahren Piratenpartei, Online-Beteiligung und Systemverbesserung sind Anlass Resümee zu ziehen und eine Geschichte des Scheiterns neu zu erzählen.

Beschreibung: 

Die deutsche Piratenpartei, 2006 gegründet, ist als Partei der Informationsgesellschaft angetreten, um Beteiligung neu zu denken.  Trotz ihrer Präsenz in vier Landesparlamenten und im Europäischen Parlament, gelten die Piraten und ihr Experiment digitaler Beteiligung unter dem Arbeitstitel Liquid Democracy als so gut wie als gescheitert. Nach Twitter-Kriegen, Medienaufschreien und NSA-Enthüllungen wurde der erste Basisentscheid per Post verschickt. Und dennoch, mit Adhocracy und LiquidFeedback sind zwei real-erprobte Software-Lösungen in der Welt, die ihr politisches Argument in Code-Form präsentieren und die mit ihren Entwicklergemeinschaften an der politischen Praxis wachsen, zerbrechen und sich neu erfinden.

In dieser Session stelle ich Ergebnisse aus vier Jahren politikwissenschaftlich-ethnografischer Feldforschung vor, in denen ich die Liquid-Akteure begleitet, interviewt und analysiert habe. Ich zeige, wie ein kleiner Kreis Berliner Visionäre und Macher unser Verständnis politischer Beteiligung erweitert, ohne das wir es so richtig gemerkt haben, und beantworte so mit einer aufmunternden Einschätzung die kritische Frage eines Liquid-Entwicklers: „Operation gelungen, Patient tot?“

Stage 9
Mittwoch, 4. Mai 2016 - 10:00 bis 10:30
Deutsch
Vortrag
Beginner