Die "Panama Papers" – Pro und Contra Transparenz

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One of the panelists, Renata Avila

Die Balance zwischen Quellenschutz und Informationspflicht ist die Herausforderung des investigativen Journalismus. Die Ansichten darüber, welche Seite wichtiger ist, gehen bei Frederik Obermaier und Renata Avila in ihrer Diskussion über die “Panama Papers: Investigative Journalism and the 'Lügenpresse' in the age of Big Leaks” auf Stage 2 weit auseinander. 

"Die Quelle muss geschützt werden“ – Frederik Obermaiers Standpunkt ist klar. Eine Veröffentlichung des “Panama Papers”-Datensatzes ist für den Journalisten der Süddeutschen Zeitung (SZ) ausgeschlossen. Seit dem 3. April 2016 publiziert er mit seinen KollegInnen immer wieder neue Artikel mit Namen von PolitikerInnen oder Prominenten, die in den Dokumenten auftauchen. "Das Argument des Quellenschutzes nehme ich nicht", kontert die Rechtsanwältin Renata Avila von der Initiative "Web We Want". Mehr Rechte für Internetnutzer, das ist ihr Ziel. Journalisten würden sich mit der bewussten Zurückhaltung von Informationen über den gemeinen Internetnutzer stellen und sich eine Deutungshoheit verschaffen, beklagt sie.

Die beiden Gäste des Talks sind sich durchweg uneinig. Avila twitterte bereits am Veröffentlichungstag der ersten Artikel die Forderung "full docs or it didn’t happen" und verlangte damit die Offenlegung der Daten. "Wir könnten niemals einhundertprozentig sicherstellen, dass es keinen Hinweis auf die Quelle gibt", erwidert Obermaier. Zahlreiche Experten und Anwälte hätten die SZ beraten und am Ende sei der Schutz der Quelle das Wichtigste. "In meiner Brust schlagen zwei Herzen", sagt er und betont, dass die Abwägung trotzdem schwer fiel. Es sei daher wichtig, die Leser über alle Schritte und Entscheidungen aufzuklären.

Die Anwältin kann die Meinung des Journalisten nicht teilen. Zu viele Daten würden nicht ausgewertet und zu viele Leser nicht informiert, sagt Avila und fordert: "Wir brauchen einen guten institutionellen Quellenschutz." Damit Enthüllungen wie die "Panama Papers" in Zukunft frei zugänglich für jede und jeden im Netz sein können.

Foto: re:publica/Jan Zappner (CC BY 2.0)

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