1684 statt 1984: Des Königs NSA

Politics & Society
re:publica 2016

Kurzthese: 

Kontrolle der Kommunikation, Profiling verdächtiger Personen, Doxen von Gegnern – lange vor der Existenz des Internets entwickelten Europas Monarchen bereits ausgefeilte Systeme zur Bespitzelung ihrer Untertanen. Ein Ausflug in das Ziffernkabinett der Habsburger, das Schwarze Kabinett Louis XIV. und die erste Ära der Totalüberwachung.

Beschreibung: 

Am 30. Januar 1649 erzitterten Monarchen in ganz Europa: An diesem Tag verlor Karl I., König von England, sein gekröntes Haupt. Das erste Mal seit Jahrhunderten fiel ein bedeutender Fürst einer Rebellion zum Opfer, und Herrscher auf dem gesamten Kontinent beschlossen, dass sie ihre Untertanen besser kontrollieren mussten, wenn sie ihre Köpfe behalten wollten. Dies war die Geburtsstunde der systematischen Überwachung.

Diese Session nimmt Euch mit auf eine Reise durch die so genannten Schwarzen Kabinette und beleuchtet deren Arbeitsweise. Sie erklärt, wie England oder Frankreich die ersten zentralisierten Postsysteme einführten – nicht etwa, um den Fluss von Informationen zu befördern, sondern um Kontrolle über zwischen den Bürgern ausgetauschten Nachrichten zu erlangen. 

Die Session zeigt, wie Herrschende die so gesammelten Informationen nutzten, um Rebellionen zu unterdrücken und sogar Kriege zu entscheiden. So lässt sich beispielsweise argumentieren, dass ohne das österreichische Ziffernkabinetts die Schlacht um Wien 1683 verloren gegangen wäre.

Dieser Vortrag hat viele (historische) Visuals.

Audioaufzeichnung: 

Stage 3
Montag, 2. Mai 2016 - 18:30 bis 19:00
Deutsch
Vortrag
Beginner

Speakers