Journalismus und öffentlicher Auftrag: Wie werden wir berichterstatten?

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Stefanie Lohaus of Missy Magazine; photo credit: re:publica/Jan Zappner (CC BY-SA 2.0)

Der Journalismus befindet sich im stetigen Wandel. Doch welche Formate werden zukünftig den Markt prägen und wie kann sich der Journalismus weiterentwickeln? Diese Themen wurden in der Subkonferenz Public Value Journalism von unserem Partner, der Bundeszentrale für politische Bildung, diskutiert. Wir stellen euch einen Auszug der Themen auf der #rp15 vor.

Jamie Pallot stellt das Konzept des "Immersive Journalism" vor; Foto-Credit: re:publica/Gregor Fischer (CC BY-SA 2.0)

Als Top-Speaker im Track gab James Pallot einen spannenden Einblick in die Schnittstelle von Medien und Journalismus, die zukünftig die Nachrichtenerstattung radikal verändern könnte. Durch die Verbindung mit Virtuell Reality Techniken lassen sich im immersiven Journalismus verschiedenste Szenarien virtuell in einer 3D-Welt nachstellen und werden für die KonsumentInnen (die Begriffe HörerInnen oder LeserInnen erreichen hier ihre Grenzen) zum hautnahen Experience. Maßgeblich entwickelt wurde diese Art des nichtfiktionalen Storytellings von der Harvard-Absolventin Nonny de la Peña. Pallot, der mit Peña die Firma Emblematic Group gründete, demonstrierte unter anderem anhand des Beispiels über das Nachempfinden einer Gefängniszelle in Guantanamo. Die Vision dabei ist, dass Menschen durch das intensive Nacherleben die Inhalte besser begreifen und nachvollziehen können. Zurecht stellte das Publikum aber auch kritische Gegenfragen, zum einen nach der Ethik und zum anderen danach, ob dies wirklich etwas in der Wahrnehmung verändern würde. Schließlich hätte das Fernsehen als Nachfolger der Zeitung auch nicht viel bewegt, wenn es um echte Anteilnahme ginge. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese umstrittene wie faszinierende Form des Journalismus zukünftig entwickelt und ob sie sich dabei zum virtuellen Katastrophentourismus verleiten lässt.

(Von links) Andre Meister, Stefanie Lohaus, Sebastian Esser, Ines Pohl und Friedemann Karig diskutieren über gemeinschaftlich finanzierten Journalismus; Foto-Credit: re:publica/Jan Zappner (CC BY-SA 2.0)

In dem anregenden Panel "Funktioniert Community finanzierter Journalismus in Deutschland?" diskutierten Andre Meister (netzpolitik.org), Ines Pohl von der taz, Sebastian Esser (Krautreporter) und Stefanie Lohaus als Vertreterin des Missy Magazins über die Möglichkeiten und Herausforderungen von Crowdfunding im Journalismus. Aus den unterschiedlichen Entstehungsgeschichten der Institutionen erarbeiteten sie ein zentrales Unterscheidungsmerkmal heraus: Bezahlen die Menschen für eine Zeitung, die es gibt, oder damit es sie gibt? Dies beeinflusst auch jeweils die Art der LeserInnen-Bindung. Kritik äußere sich bei einer engen Verbindung durch den indirekten Mitaufbau des Mediums häufig nicht als inhaltliche Kritik, sondern in Form von Enttäuschung. Ines Pohl von der taz machte nach einer Rückfrage aus dem Publikum außerdem noch einmal deutlich: "Journalismus ist ein Ausdruck von Demokratie." Eine staatliche Finanzierung unterminiere daher den Sinn des Journalismus. Pohl weiter: "Dann drucken wir lieber nur halbe Seiten und bauen darauf, dass den Menschen der freie Journalismus wichtig ist und sie dafür zu zahlen bereit sind." Aber nicht nur bezüglich der Finanzierung hat Crowd-Journalismus spannende Momente. So machte Sebastian Esser deutlich, dass der Austausch mit der eigenen Community bei Spezialthemen äußerst hilfreich sein könne, um LeserInnen gezielt zu fragen. Ganz im Sinne von: "Wir sagen euch was wir wissen und fragen euch, was wir nicht wissen."

Einem weiteren wachsenden Bereich des Journalismus widmeten sich Arne Busse (bpb), Daniel Seitz (mediale pfade), Marie Meimberg (301+) und Anna Moll (Mesh Collective) in der Diskussion zu "(Netz-)Politische Meinungsbildung mit Webvideo und YouTube". Dabei ging es unter anderem um die Reichweite dieses Mediums vor allem unter Jugendlichen und wie es genutzt werden kann, um ansprechend seriöse Inhalte zu vermitteln. Diverse Produktfirmen haben diesen Markt schon länger entdeckt und streuen ihre Vorstellungen zum eigenen Vorteil. Umso wichtiger sei es, nicht den Firmen das Feld zu überlassen, sondern unabhängige und freie Meinungsbildung im Videoformat zu vermitteln. Dass die  Szene sich durchaus mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander setzt, das zeigen Bewegungen wie "YouTuber gegen Nazis". Wichtig sei dann auch, die YouTuber selbst ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Auf diese Weise ließe sich vielleicht zukünftig über diesen Kanal Journalismus und politische Bildung ernsthaft gestalten.

Bildnachweis ganz oben: re:publica/Jan Zappner (CC BY-SA 2.0)

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