Die Jugendplattform von ARD und ZDF: eine Chance für die Netzöffentlichkeit

Media
re:publica 2015

Kurzthese: 

Die Politik hat ein öffentlich-rechtliches Jugendangebot im Internet beschlossen. Die Anstalten, die auf ein trimediales Angebot um einen TV-Sender hingearbeitet hatten, sind noch dabei sich zu neu zu sortieren. Damit öffnet sich ein Zeitfenster, in dem wir grundlegend fragen können: Was kann Grundversorgung vom Netz aus sein? Was ist Public Value in einer von partikularen Interessen bestimmten Netzöffentlichkeit? Welche Verantwortung hat eine öffentliche Institution im Ökosystem des Internet?

Beschreibung: 

Im Oktober 2014 hat die Ministerpräsidentenkonferenz ARD und ZDF mit dem seit Jahren diskutierten Jugendangebot beauftragt, aber nicht als TV-Sender mit Radio und Internet drumrum, sondern als reine Internet-Plattform – ohne Sendungsbezug, ohne Drei-Stufen-Test, ohne Depublizierung nach sieben Tagen und mit einem Etat von 45 Millionen Euro.

Dass die U30 dort angesprochen werden, wo sie sich vorwiegend informieren und unterhalten, scheint offensichtlich, stellt aber einen mutigen medienpolitischen Paradigmenwechsel dar: den Bruch mit dem Primat des linear gesendeten Programms und der Sekundarität von Online aka Telemedien. Mit der Jugendplattform ist die Verbindung zum Massenmedienmodell gekappt. Grundversorgung ist im Netz angekommen.

Das ist ein großer Schritt für den Rundfunk, aber auch eine Riesenchance für die vernetzte Öffentlichkeit. Die besteht aus einer unermesslichen Vielfalt von Stimmen der unterschiedlichsten Richtungen, Interessen und Radikalisierungsgrade. Darin bieten nur die von uns Bürgerinnen und Bürgern beauftragten, bezahlten und kontrollieren Medien die Chance, im öffentliche Interesse zu recherchieren und zu berichten.

Nicht umsonst fordert Markus Hündgen, Veranstalter des Deutschen Webvideopreises, ein öffentlich-rechtliches Youtube. Andernfalls müssten wir im zunehmend wichtiger werdenden audiovisuellen Wissensraum des Netzes auf journalistische, edukative und künstlerische Inhalte verzichten.

„Internet ist Dialog, Fernsehen ist Monolog,“ schreibt Hündgen. Der erste Schritt ist daher, diesen Dialog mit der Netzgemeinde und vor allem den 14-29-Jährigen zu eröffnen, damit die Jugendplattfom kein Angebot für, sondern mit der Zielgruppe wird.

Wie kann eine originär vom Netz aus konzipierte Grundversorgung aussehen? Wie kann die Plattform zu einem Ort für zuverlässige, vertrauenswürdige Informationen werden? Wie kann sie aktive und kritische Medienkompetenz fördern? Was kann sie mit Aufklärung und gutem Beispiel für ein offenes Internet tun, für Netzneutralität, Suchneutralität, Datenschutz, Technologieneutralität, Breitbandausbau und freie Netze? Und was können wir dazu beitragen?

Die Debatte ist eröffnet.

 

STG-T
Dienstag, 5. Mai 2015 - 14:45 bis 15:45
Deutsch
Workshop
Fortgeschrittene

Tracks